31. Holzbootregatta – Bericht

Sep. 24, 2026

Wie immer am 1. Septemberwochenende fand beim SSV die Holzbootregatta statt.

28 wunderschön lackierte Holzboote - davon fast die Hälfte Jollenkreuzer - waren an den See gekommen um unter der Leitung von Carola Volkmann dieses tolle Event zu zelebrieren. Es waren schon mal mehr aber einige Klassen hatten andere Events und die früher sehr zahlreiche Fraktion der H-Jollen war auf nur 1 Boot, das sich aus Berlin auf dem Weg gemacht hatte geschrumpft. Das Hamburger Boot war krankheitsbedingt ausgefallen, schade.

Bemerkenswert: Die kleine Flotte der Jollenkreuzer von der Müritz, die über den Wasserweg anreisten – und daß bei mehr als herbstlichen Wetterbedingungen.

Ein Starboot war dabei und eine Z-Jolle von 1938 aus Österreich. Der erste Wettfahrttag mußte wegen stürmischer Regenböen abgesagt werden. Dafür wurden die Teilnehmer durch ausgiebigen Austausch und ein Super Abend-Buffet entschädigt. Am Sonntag konnten dann 3 Wettfahrten unter besten Bedingungen gesegelt werden. Bei der Preisverleihung mit Räucherfisch, Shanty Chor und selbstgebackenem Kuchen blieben alle vom Regen verschont.

Das Berliner H-Jollenteam Frank Fritze und Martin Richter haben sich wie alle sehr wohl gefühlt und haben das in ihrem Bericht den sie als Drittplatzierte schreiben mussten zum Ausdruck gebracht:


Mit H5 Betty Boop bei der 31. Holzbootregatta bei SSV

Stürmische Anfahrt

Samstag, 05. Sep., 5:00 Uhr der Wecker klingelt, ich bin schon wach. 6:00 ist Treffen in der Werft von Yachttechnik Potsdam, wir fahren mit der H5 auf dem Anhänger nach Schwerin zur 31. Holzbootregatta. Frank hat vor Jahren die H-Jolle von 1949 restauriert und fährt auf BETTY BOOP regelmäßig Regatten. Vor 2 Monaten hat er mich gefragt, ob ich dabei bin - wir kennen uns seit unserer frühen Jugend und sind auch schon gemeinsam gesegelt. Ich bin seit 15 Jahren keine Regatta mehr gefahren.

Die Bäume am Rand der Autobahn biegen sich nur so, Windstärke 6 ist es bestimmt.

Die Fahrt ist schnell vorbei, im Schweriner Segler-Verein von 1894 e.V. fahren wir direkt vor bis zum Kran. Das Team ist eingespielt, wir müssen das Boot nur vom Trailer losbinden und schon sind wir im Wasser. Ein Schlauchboot steht bereit und schleppt uns zu den Liegeplätzen um den Verein herum, auf der Rückseite können wir ruhiger liegen. Wir suchen uns einen schönen Platz aus und bereiten das Aufriggen vor. Holzmast stellen, das feste Vorstag installieren, Gaffel anknoten, Fallen sortieren, den Schotwagen für´s Groß auf den Baum schieben.

Es geht los, oder doch nicht?

Im Wettfahrtbüro erhalten wir unser Starterkit: Kursbeschreibung für die geplanten Up and Downs, das blaue VIP-Band für die Verpflegung und die erste Runde Schokoküsse.

11:00, Steuermannbesprechung in der Halle, der Vorsitzende Dr. Jürgen Buchwald und Carola Volkmann als Wettfahrtleiterin eröffnen die Regatta und erläutern den geplanten Kurs, was gilt, wenn eine der Lee-Gate-Tonnen fehlen sollte und erklären das Startsystem: wir starten im Kängurusystem, die 12´ Dinghys als langsamste Boote in Minute 0 und alle anderen je nach Yardstick später. Unsere H-Jolle mit Yardstick 110 ist in Minute 8 dran, gemeinsam mit einem 15er Jollenkreuzer. Die schnellsten Boote - ein Star und eine Z-Rennjolle – dürfen erst in Minute 12 starten und können das Feld von hinten aufrollen. Da die Geschwindigkeitsunterschiede zum Start vorverlagert werden, ist der Zieleinlauf auch gleich die Platzierung, es braucht nicht mehr gerechnet werden. Das lässt sehr viel mehr Spannung aufkommen als bei Yardstickregatten sonst üblich ist.

Der Wind ist nicht weniger geworden, Böen lassen die Wanten pfeifen. Zusammen mit der Gewitterwarnung verschiebt Carola den Start, wir sollen in der Nähe bleiben.

Gegen 13 Uhr, kurz bevor die dunkle Wand da ist, kommt die Entscheidung: heute kein Start mehr. Kurz drauf verschwindet das Ufer gegenüber im Regen, die Sicht geht auf Steglänge zurück, die Dachrinne im Vereinsheim kommt nicht hinterher und läuft über. Zum Glück sind wir jetzt nicht draußen!

Layday mit Buffet

Nach dem Schauer haben wir Zeit und machen einen gemütlichen Stadtbummel in Schwerin. Wieder im Verein legt Frank die Bilge wieder trocken, der Regen hat seine Spuren hinterlassen. Treffpunkt ist jetzt das große aufgebaut Partyzelt am Kran für nette Gespräche, Getränke sind da und die Zeit verrinnt.

Am Abend kommt das blaue Band zum Einsatz, im Restaurant Seglerheim wird ein riesiges Buffet eröffnet. Fisch, Fleisch, Kartoffeln, Kroketten, Gemüse, Sülze, zum Abschluss Kaiserschmarrn mit Vanillesauce. Mit der nötigen Bettschwere geht es für die Nacht in den Sprinter, wir schlafen gut, aber zu kurz.

Laut Vorhersage wird das Wetter die Segler heute verwöhnen, mit Sonne und Wind zwischen 12 und 19 km/h.

Endlich segeln

Um 7:30 wollen wir mit dem Auftakeln beginnen. Die Fock im festen Vorstag hochbekommen ist eine echte Herausforderung. Zu weit gelingt´s. Das Großsegel hat 8 Latten aus fein gehobeltem Eschenholz die eingeschoben und geknotet werden wollen, Gaffelpiek und Klau zum Setzen vorbereiten, die Großsegel Vorlieksreihung noch an den Ösen um den Mast binden,.. nach einer guten Stunde können wir ablegen. Noch ein kurzer Spi-Test und DLRG sei Dank laufen wir nicht auf einer Untiefe auf - sie warnen uns rechtzeitig. Danke!

Start: pünktlich 10:00 geht’s los, die hochgehaltenen Minutentafeln machen klar wessen Startfenster gerade läuft, unser Start mit 2 Booten um 10:08 ist sehr entspannt, es ist Platz im Überfluss auf der Startlinie! Nach etwas mehr als 30 Minuten ist die erste Wettfahrt schon rum, wir kommen als 8. ins Ziel. Die erwartete Spannung auf der Regattabahn war vom Start an enorm. Einerseits sind wir unter dem enormen Druck der Aufholjagd und beim Blick ins Kielwasser taucht da unerwartet die Z-Jolle Z440 von Reinhard Carli aus Östereich auf und schießt noch vor dem Lee-Gate an uns vorüber.

11:00 nächster Start. Es läuft, die Winddrehungen passen besser, wir erwischen ein paar Windfelder richtig herum. Nach der zweiten Kreuz gehen wir als erste um die Luftonne, hungern uns aber über die Luv-Ablauftonne, die etwas zu hoch liegt. Wilfried Ahrent klebt uns am Heck und steuert seinen 20er Jolli R307 souverän über den Vorwindkurs. Er geht mit uns gleichzeitig um das Gate. Wir nehmen das linke Fass und sind uns sicher, richtig entschieden zu haben. Kurz vor dem Ziel kommt der Dreher und der Jolli packt uns in sein Kielwasser, wir fahren als 2. ins Ziel. Glückwunsch an die Jollicrew vom WSV Müritz für das Husarenstück!

Die dritte Wettfahrt startet 12:00. Um die Luvtonne kommen wir herum – die Ablauftonne schaffen wir nicht. Also, klar zur Wende! Die Tonne liegt gefühlt noch höher als bei den Runden vorher. Es wird ein 6. Platz im Ziel.

Räucherfisch, Preisverteilung und Kuchen

Nach 3 schönen und doch anstrengenden Runden geht es wieder rein zu unserem Liegeplatz, wir rüsten in Ruhe ab. Die Aussetzer am Kran können die Experten schnell beheben. Und so geht es im Schlepp zum Kran und unkompliziert wieder auf den Trailer.

Im Zelt ist die Mittagsstärkung in vollem Gang: Frisches vom Fischer vor Ort und Getränke.

Die Siegerehrung startet am Nachmittag mit dem Skipper Chor. Uwe Volkmann übernimmt und führt locker die Siegerehrung: die Newbies werden vorn empfangen, dann die Klassenwertung – hier stehen alle einmal vorn und zum Schluss kommt die Gesamtwertung. Carola übernimmt das Mikro – Glückwunsch an Uwe Volkmann und Peter Ziemann aus dem Schweriner Segler-Verein von 1894 e.V., die auf Skrolan gewonnen haben. Uwe ist es fast etwas unangenehm gewonnen zu haben, da er doch die Yardstickzahlen für die Teilnehmer mit festgelegt hat - aber die Vorstellung auf dem Wasser spricht eine klare Sprache 😉.

Silber geht an die Crew vom 20er Jollenkreuzer Sailor mit Wilfried Ahrent, Thomas Blasius und Lutz Ewert aus dem Warener Segler-Verein e.V.

Bronze geht an Frank und mich - wir können die Präsente kaum tragen.

Das Zelt ist festlich eingedeckt: blaue Tischdecken auf den Garnituren, Blumen auf jedem Tisch. Es gibt Kuchen, Kaffee – und Schokoküsse zum Abschied. Es fällt schwer aufzustehen und sich auf den Heimweg zu machen.

Vielen Dank an die Regattaleitung, das Org.-Team und alle fleißigen Helfer – der Einstieg in Regatten kann nicht schöner sein.

Martin Richter, H5 BETTY BOOP

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